Counter Speech hilft dir und anderen

Bislang reagieren laut einer Umfrage nur 14 Prozent mit aktiver Gegenrede auf Hass im Netz. Nur 31 Prozent der Verfasser*innen von Hate Speech mussten Kritik von anderen Internetnutzer*innen einstecken; 64 Prozent fühlten sich dagegen in ihrer Aussage bestätigt. Umso wichtiger ist es, Hass nicht einfach stehen zu lassen, sondern Stellung zu beziehen. 

Counter Speech (engl. für Gegenrede) bedeutet, dass User*innen mit Kopf und Herz etwas gegen Hass und Hetze im Netz unternehmen. Sie benennen laut und freundlich, dass sie Diskriminierungen, Generalisierungen und Herabwürdigungen nicht einfach hinnehmen wollen; sie kontern Hass nicht mit Hass, sondern mit Argumenten, mit Humor und neuen Perspektiven. 

Counter Speech zeigt Betroffenen, dass sie nicht allein sind. Sie bietet eine andere, friedliche Sichtweise für die große Mehrheit der stillen Mitlesenden, die ansonsten nur mit den Hasskommentaren konfrontiert wären. Wer sich einmischt und sich mit Betroffenen solidarisiert, setzt sich für die Menschenrechte ein und stärkt die Demokratie.

Der Europarat hat das Handbuch "Bookmarks" (hier geht's zur deutschen Fassung) veröffentlicht, das viele Informationen, Tools und Workshop-Ideen zum Thema Hate Speech enthält. Weitere Ideen hat der Europarat in der Publikation "We CAN!" gesammelt. Hier gibt es eine Übersicht, wie sich die No Hate Speech Teams in den verschiedenen Ländern gegen online Hetze einsetzen. 

#organisierteliebe ist eine Initiative gegen Hetze, die das Positive im Netz zelebriert. Sie fordert uns auf, die Kommentarspalten zu fluten und Danke zu sagen. Wir alle können zeigen, dass Liebe uns näher ist als Hass. 

Wer laut und deutlich seine Meinung kundtut, muss auch mit Gegenwind rechnen. Counter Speech kann die Hetze kurzzeitig verstärken. Wenn das der Fall ist, weiß man allerdings, dass die Gegenrede genau ins Schwarze getroffen hat! 

Die Bloggerin Vanessa Vu berichtet, wie sie mit einem Shitstorm umgegangen ist

Und der Autor Sascha Lobo erzählt ausführlich in einem Video über seine Erfahrungen und seinen Umgang mit Shitstorms

It’s not all about the haters – frag Betroffene, was sie brauchen

Counter Speech kommt oft von denjenigen, die in der konkreten Situation gar nicht von Hate Speech betroffen sind. Für sie ist es leichter, einzugreifen, weil sie in diesem Moment nicht diskriminiert werden und sich geschützt fühlen können. Wenn Du Betroffene unterstützen möchtest, finde am besten erst heraus, was die Gehateten sich wünschen.

Nicht immer werden einzelne Menschen angegriffen; oft sind es große Personengruppen wie Geflüchtete oder Jüd*innen. Dann kannst Du versuchen, herauszufinden, ob sich Angehörige der Gruppe geäußert haben und Rückendeckung brauchen.

Wenn eine Einzelperson angegriffen wird, ist es etwas einfacher. Zeige mit einem Kommentar, dass Du ihr Unterstützung anbieten möchtest. Sie kann entscheiden, ob sie überhaupt Unterstützung möchte und wie diese aussehen könnte. Macht sie zum Beispiel deutlich, dass sie die Situation allein klären möchte? Will sie zwar Rückendeckung, möchte Gespräche mit den Hater*innen aber lieber selbst führen? Oder will sie im Gegenteil ganz viel Sichtbarkeit? Die Bedürfnisse der Betroffenen zu ignorieren, kann das Gefühl der Machtlosigkeit, das diese Menschen gerade erfahren, verschlimmern. Am hilfreichsten ist deine Unterstützung, wenn sie dem entspricht, was die Betroffenen sich wünschen und brauchen. 

Eins ist klar: Für das Klima auf der eigenen Facebook/Instagram-Seite oder Website ist jede*r selbst verantwortlich. Wann ist aber der Zeitpunkt gekommen, einzuschreiten? Ironie und Seitenhiebe sind ja nicht verboten! Und niemand will seine Freund*innen grundlos vergraulen. Es kann manchmal schwer sein, einzuschätzen, wann ein Kommentar als Hate Speech und nicht nur als blöde Bemerkung gemeint ist. Am Ende muss jede*r für sich selbst selbst entscheiden, was zu weit geht und was nicht. 

Orientierung und Beispiele für produktive Diskussionsregeln finden sich in vielen Foren oder Online-Communities, zum Beispiel bei Pinterest

Wenn Social Media-Plattformen keine eigenen Regeln haben, kann man selbst welche aufstellen. Hier findet ihr Beispiele, wie man konstruktiv mit Hasskommentaren umgehen kann. 

Wie kann man Einträge/ Posts melden?

Es ist mittlerweile nicht mehr kompliziert, Inhalte auf Social Media- oder Online-Plattformen zu melden, wenn sie gegen deren Regeln oder gegen Gesetze verstoßen. 

Facebook

Twitter

YouTube

Instagram

Snapchat

Noch mehr Möglichkeiten, Hate Speech zu melden, findet ihr in dieser Liste der Anti-Defamation League

Wie kann man eine Anzeige gegen Hasskommentare stellen?

Für eine Anzeige kann man sich an die Polizei oder Staatsanwaltschaft des Bundeslandes wenden, in dem man wohnt. Die Kontakte der Länder-Polizei-Behörden und Internetwachen sind unter www.polizei.de nach Bundesländern aufgelistet. 

Eine Anzeige ist auch online möglich, allerdings noch nicht in allen Bundesländern. 

Wer eine Anzeige erstattet und nicht direkt betroffen ist, erfährt - wenn er nicht persönlich nachhakt - in der Regel nichts mehr von dem Ermittlungsverfahren. Die Polizei ermittelt dennoch weiter!

Manchmal stößt man zunächst auf Unverständnis oder Unwissenheit, wenn man eine Strafanzeige wegen Hate Speech stellt. Das Thema Hate Speech ist für manche Polizeibeamt*innen noch Neuland, aber es wird innerhalb der Polizei immer mehr diskutiert.

Hasskommentare werden zunehmend strafrechtlich verfolgt - das bedeutet aber nicht automatisch eine Verurteilung. Wenn die oder der Beschuldigte z.B. behauptet, sie oder er habe es "nicht so gemeint", kann es durchaus zu einem Freispruch kommen. Dies soll allerdings niemanden davon abhalten, eine Anzeige zu erstatten: Volksverhetzung, Beleidigungen und Drohungen sind in Deutschland definitiv Straftaten - und jede Strafanzeige trägt dazu bei, das gesamtgesellschaftliche Bewusstsein für das Problem Hass im Netz zu stärken.

Wer unsicher ist, ob ein Kommentar unter das Jugendschutzgesetz fällt, kann sich an Jugendschutz.net wenden. Dort kann man Vorfälle zu den Themen politischer Extremismus, Gewalt oder Cybermobbing melden. Das Team prüft die Inhalte und leitet je nach Ergebnis weitere Schritte ein. Auch bei der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) kann man Inhalte melden und überprüfen lassen